Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO – Audits

26 Februar 2010 von Julian Kommentieren »

Im Artikel Grundlagen des Qualitätsmanagements habe ich beschrieben, was unter dem Begriff Qualitätsmanagement allgemein zu verstehen ist. Doch wieso lassen sich immer mehr Unternehmen überhaupt zertifizieren?

Ist ein Unternehmen nach DIN EN ISO 9000 zertifiziert, so hat es einen offiziellen Nachweis der Qualifikation zur Erzeugung qualitätsgerechter Produkte. Das kommt einer Marketingfunktion gleich: Kunden kaufen gerne bei zertifizierten Lieferanten, da sie sich dort der Qualität der Prozesse etc. sicher sein können. Große Konzerne, z.B. in der Automobilindustrie, lassen ihre Lieferanten sogar nach eigenen Richtlinien zertifizieren. Es ist sogar geplant, dass eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 9000 zur Vorraussetzung wird, um an Ausschreibungen auf dem EU Binnenmarkt teilnehmen zu können.


Doch nicht nur die Marketingfunktion ist die Motivation, sondern auch die Produkthaftung kommt hinzu: Im Schadensfall kann die Haftung durch die Dokumentation leichter geklärt werden. Fakt ist nämlich, dass im Rahmen der Produkthaftung Beweislastumkehr gilt, d.h. der Geschädigte muss lediglich den Schadensverursacher nennen; das Unternehmen muss sich jedoch aktiv von der Schuld befreien (was durch eine ordentliche Dokumentation extrem erleichtert wird). Letztlich sei noch bemerkt, dass das Zertifikat nicht auf unbegrenzte Zeit vergeben wird: Das Unternehmen verpflichtet sich, dauerhaft ein QM System zu führen (vgl. Kaizen und 5S).

Im Rahmen einer Zertifizierung kommt es zu sogenannten Audits. Ein Audit (quasi: Anhörung) ist eine Untersuchung eines Dritten (z.B. der DEKRA oder der Germanische Lloyd, wobei nicht jede Zertifizierungsstelle auch jede Branche zertifiziert ), um die Prozesse hinsichtlich ihrer Möglichkeit zur Erfüllung der Anforderungen (DIN EN ISO 9001) zu prüfen. Das Ziele eines Audits sind

  • die Überprüfung der Eignung von Abläufen und Verfahren,
  • die Überprüfung der Anwendung und der Wirksamkeit der dokumentierten Verfahrensanweisungen und Regelungen,
  • das Erkennen von Schwachstellen,
  • die Identifikation von Schnittstellen und
  • die Festlegung potentieller Prozessverbesserungen und organisatorischer Verbesserungen.

Die Basis für einen Audit liefert die Dokumentation: Qualitätsmanagement Handbücher liefern Informationen über das verwandte QM System. QM Pläne beschreiben dann die spezifische Anwendung des Systems. Ebenso sind Spezifikationen und Leitfäden von Bedeutung. Arbeitsanweisungen und die geführten Aufzeichnungen vervollständigen die Dokumentation.

Audits können dabei sowohl intern als auch extern durchgeführt werden. Ein interner Audit beabsichtigt einerseits die Absicherung vor einem externen Audit, andererseits beabsichtigt er auch die Verbesserung der eigenen Abläufe. Ein Externer Audit weist die Qualitätsfähigkeit dann (hoffentlich) nach.

Audits vermeiden Fehler, wie der folgenden Grafik zu entnehmen ist (Quelle: Vorlesung Qualitätsmanagement an der SRH HLW in Hamm, WS 09/10)

Vermeidung von Fehlern durch Audits

Es gibt drei Arten von Audits: Systemaudits, Prozessaudits und Produktaudits.

Ein Systemaudit beurteilt die Vollständigkeit und Wirksamkeit der Basisanforderungen an das Managementsystem. Es werden die Aufbau- sowie die Ablauforganisation betrachtet. Optimierungspotentiale liegen bei dieser Auditform beim QM-Handbuch, den QM-Anweisungen, den Auftragsunterlagen, den Richtlinien der Unternehmensleitung etc.

Beim Prozessaudit wird die Qualitätsfähigkeit der Verfahren für spezielle Produkte beurteilt; es werden die relevanten Prozesse sowie das Personal betrachtet. Was kann hier verbessert werden? Die Antwort lautet zum Einen (natürlich) die Prozesse selbst, aber auch die Personalqualifikation kann erhöht werden und die Verfahrensanweisungen können optimiert werden.

Beim Produktaudit schließlich kommt es zu einer Beurteilung der Qualitätsmerkmale von Endprodukten; logischerweise werden hierfür die Produkte selbst oder aber ihre Einzelteile untersucht. Die Verbesserungspotentiale liegen hier beispielsweise in den Qualitätsrichtlinien oder in den Prüf- und Fertigungsabläufen.

Es ist klar geworden, dass Audits Fehler vermeiden können und dass sie notwendig sind, um eine kontinuierliche Verbesserung im Unternehmen möglich zu machen bzw. sie anzuregen. Was wird nun letzten Endes geprüft?

Unter anderem werden geprüft

  • der Gültigkeitsstand,
  • die Merkmalsbeschreibung sowie
  • die Merkmalsgewichtung,
  • die Toleranzgrenzen,
  • die Prüferqualifikationen,
  • Klassifizierung und Dynamisierung und die
  • zugeordneten Prüfmethoden
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