Der folgende Text besteht aus Informationen, die ich einem Aufsatz von Dr. Michael Braungart und Justus Engelfried entnommen habe. Inhaltlich geht es um ein System intelligenter Produkte, die Abfall eliminieren sollen und ein Maximum an Recycling erfahren können. Es sind biologisch abbaubare Produkte, die von hohem Wert für die Menschheit sind, jedoch die wirtschaftlichen Interessen von Herstellern nicht vernachlässigen:
Seit jeher stand im Fokus der Industrie nur die Produktion; Abfall hingegen war wenig interessant. Das ist laut Braungart und Engelfried einer der Hauptgründe dafür, dass es heute eine regelrechte Müllentsorgungskrise gibt, in der die Chemieindustrie führend ist. Seit den 40er Jahren gab es einen starken Trend hin zur Entwicklung von Verbundstoffen, sodass heute alleine in Europa mehr als 100.000 chemische Produkte registriert sind. Das Problem, das sich hier ergibt, ist, dass sich diese Produkte auf Dauer in der menschlichen Nahrungskette akkumulieren und giftige Gesundheitsbeschwerden hervorrufen; ganz zu Schweigen von den enormen umweltschädlichen Auswirkungen. Nach Braungart und Engelfried ist das heutige System von akzeptablen Limits solcher Stoffe in Produkten vergleichbar mit einer Arsenvergiftung, da es die Zerstörung nur ausbremst, jedoch nicht verhindert.
„Slowing the rate of destruction through „acceptable limits“ is comparable to arsenic poisoning“
Auf diese Art und Weise – so die Autoren – werde die Auffassung der Notwendigkeit eines Wandels verschleiert und führe letztendlich zu einem verspäteten oder ineffektivem Eingreifen. In der Zwischenzeit würde die Zerstörung der Umwelt fortgesetzt und wäre damit endgültig irreversibel.
Anstatt sich auf Systeme wie „waste management“ oder vertretbare Limits einzusetzen, solle vielmehr ein System implementiert werden, dass die Entwicklung von nachhaltigen Produkten möglich macht und fördert. Ein eben solches Konzept ist unter Anderem von Dr. Braungart entwickelt worden, um vom aktuellen „one way, no deposit, no return“ Ansatz zu einem ökonomischen und ökologischen System von intelligenten Produkten zu gelangen.
Intelligent Products System
Die Kosten für „waste management“ können laut Dr. Braungart dramatisch reduziert werden, indem Basisprinzipien und Anreize für die Nutzung neuer Materialien eingeführt werden. Es wird allgemein zwischen den drei Produktgruppen Konsumgüter, Servicegüter und nicht-marktfähige Güter unterschieden:
Konsumgüter werden gekauft, um sie zu konsumieren (z.B. Nahrung oder Waschpulver). Für gewöhnlich werden sie nach einmaliger Nutzung zu Abfall. Um zu einem System intelligenter Produkte zu gelangen, müssten die Inhaltsstoffe dieser Produkte folgende Merkmale aufweisen:
- sie müssen biologisch abbaubar sein,
- sich nicht in ölologischen Systemen akkumulieren,
- weder krebserregend, teratogen (Fehlbildungen hervorrufend), mutagen noch in der eingesetzten Menge für den Menschen giftig sein und
- auf einer Picogramm Basis analysiert worden sein
Servicegüter sind Produkte, die Dienstleistungen anbieten (wie Autos, Fernseher und Waschmaschinen). Nach Dr. Braungart würden diese Güter im IPS nicht mehr gekauft, sondern lediglich vom Hersteller geleased werden. Der Hersteller würden Kunden quasi auf Dienstleistungsbasis mit Produkten versorgen. Nach Gebrauch durch den Kunden würde dieser das Produkt wieder an den Hersteller abgeben, der daraus neue Produkte erstellen könnte (natürlich mit einem finanziellen Anreiz für die Rückgabe).
Braungart schlägt hierfür einen „Abfall Supermarkt“ vor: Wie beim Shopping müsste es dann auch ein De-Shopping geben. Der Markt würde wie ein Trennungslager für verschiedene Produkte mehrerer Hersteller fungieren.
Heutzutage ist Recycling eher ein Downcycling, da die Qualität der Ressourcen nach jedem Zyklus vermindert wird. Durch das IPS Konzept würden die Ressourcen in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurück an den Hersteller gegeben, der dann ein Interesse an einer bestmöglichen Demontage und Recyclingqualität hätte und deshalb Giftstoffe in seinen Produkte reduzieren würde.
Nicht marktfähige Produkte sind jene, die nicht konsumiert oder genutzt werden können (auf eine umweltverträgliche Art und Weise). Ein Beispiel wäre hier der Abfall aus der Aluminiumproduktion. Da es für diese Produkte heute noch keinen sicheren Weg des Recyclings gibt, dürfen nach Braungart diese Stoffe nicht mehr produziert werden und müssen in der Zwischenzeit gelagert werden (Parking Lot Concept).
Fazit: Das Intelligent Products System entwickelt Konsum- und Servicegüter, die eine Eliminierung von Abfall und eine maximale Recyclebarkeit sowie biologische Abbaubarkeit fördern. Die Verantwortung für die Reduktion von gefährlichem Abfall wird vom Kunden zum Hersteller transferiert; er erhält jedoch einen angemessenen Ordnungsrahmen, mit dem er arbeiten kann. Der Gesellschaft verbleibt nur die Verantwortung, auch diese Produkte zu kaufen. Durch eine solche Teilung der Verantwortlichkeit, so Braungart und Engelfried, kann man das aktuelle Abfallproblem lösen, in dem die Abfallindustrie gigantische Kosten verursacht.







